22.  Mai

Telefonisch hatte ich uns schon in der Tierklinik in Mühlhausen angkündigt, das Blutbild wurde von Erfurt aus weitergegeben. Rheya ging es nach wie vor recht gut, so besuchten wir am Morgen noch Baileys & Nutella und nahmen ihr Frauchen Katja als seelischen Beistand mit. Um 10:30 Uhr in Mühlhausen angekommen, nahm sich Frau Dr. Kreusel viel Zeit für uns, untersuchte Rheya nochmal komplett & bestätigte die Diagnose. Die Blutung hätte wohl aber aufgehört, sonst würde Rheya nicht so munter rumlaufen. Jedoch sah sie ihre Optionen als indiskutabel: Die Milz musste raus, ansonsten würden wir Gefahr laufen, das der Tumor weiter aufplatzt und Rheya dann im schlimmsten Fall innerlich verbluten würde. Ihre Chancen die OP zu überstehen, seien nicht so schlecht wie in Erfurt diagnostiziert. Die Blutwerte seien schlecht, aber nicht kritisch. Zur Sicherheit würde man einen Blutspender besorgen. Katja schlug sogar vor, ihre Nutella als Spender bereitzustellen, es befand sich aber aktuell ein grosser, kräftiger Rüde in der Klinik, dessen Besitzer auch bereit waren, eine Blutspende zu geben.

Philipp und ich hatten bereits am Abend zuvor entschieden, dass wir einer OP – wenn die Ärzte sie machen wollten – auf jeden Fall  zustimmen würden. Auch in Mühlhausen waren wir selbst noch mit keinem Tier in Behandlung, jedoch fühlten wir uns – sicher auch aufgrund der positiven Einstellung der Ärzte bzgl der Operation – dort sehr gut aufgehoben & in guten Händen. Rheya kam noch zur Vorbereitung an den Tropf, wir sassen dabei alle 4 draussen vor der Klinik im Gras in der Sonne, wurden von Ameisen geärgert, von den Schwestern umsorgt – und versuchten uns so positiv wie möglich auf die OP vorzubereiten. Operieren würde Frau Dr. Schulz, eine ebenfalls sehr nette und kompetente Ärztin.

Halb 2 brachten wir sie dann in den OP-Bereich, wir knutschten sie nochmal ganz zärtlich – dann bekam sie eine Beruhigungsspritze & das Narkosemittel. Wir sahen noch, wie sie auf den Tisch gelegt wurde, dann verliessen wir den OP – und warteten.

Um ca. 15 Uhr bekamen wir die erste gute Nachricht von Frau Dr. Kreusel – die Milz sei raus, beim Ablegen des Organs auf dem Tisch sei wohl nochmal etwas aufgeplatzt – zum Glück war sie da schon entfernt! Rheya´s Zustand sei gut, sie wären aktuell schon beim Zunähen…. *puuuhhh*

Um 15:15 Uhr kam dann auch Frau Dr. Schulz zu uns und brachte uns die Milz als Anschauungsobjekt mit. Ich hatte gebeten, mir den Tumor anschauen zu können. Er war wirklich gross: die Milz war auf einer Fläche von ca. 5 x 10cm schwarz, mit einzelnen aufgeplatzten Stellen.

Dann durften wir zu Rheya in den Aufwachraum – etwas nicht sehr häufiges, was ich aus meiner bisherigen OP-Erfahrung so noch gar nicht kannte. Es war sogar gewünscht, dass wir gleich nach der OP zu ihr gehen und beim langsamen Nachlassen der Narkosse die ganze Zeit über bei ihr sind. So kauerten wir 3 geschlagene 3h neben der jammernden, zwischendurch sogar schreienden Trulli. Die Ärtze & auch Katja versicherten uns mehrfach, dass dies nur das „Narkosejaulen“ ist, Rheya habe keine Schmerzen. Trotzdem war es erbärmlich mit anzuhören… :cry:

Nach ca. 30min kam sie langsam zu sich und versuchte immer mehr sich aufzurichten. 2h lang bekam sie die Bluttransfusion, es war echt stickig und warm in dem Raum. In ihrem Fell klebte teilweise noch Blut, dass wir beim Streicheln an uns abwischten. Aber wir hielten so tapfer wie möglich durch, redeten ihr zu, weinten in ihr schwarzes Fell, schmunzelten über ihre Grunz- & Quiecklaute beim Träumen. Es war so schön, dass sie noch bei uns war …

Gegen 19 Uhr war sie wach, ihre Blutwerte wurden erneut kontrolliert und sahen so gut aus, dass wir sie mit nach Hause nehmen durften. Nun galt es erstmal, die kranke Maus zu pflegen, dass sie sich schnell von der OP erholt. Auf den histologischen Befund aus dem Labor würden wir noch mehrerer Tage warten müssen.